Meldung vom 27. September im Dom Rep Magazin: 6.3 Millionen Dollar für die Ärmsten der Bevölkerung. Die Kreditanstalt für den Wiederaufbau spendiert mal eben diesen Betrag an das Finanzministerium hier. Na Danke! Seid Ihr denn vom wilden Affen gebissen? Das Geld kommt doch nie bei den Armen an! Ein paar geldgeile Säcke teilen sich das, indem sie irgendwelche Scheinaktivitäten setzen und zwei Wochen später liegt es auf irgendwelchen Konten in Miami. Dann gehört es wieder einmal den Schlitzohren, die zu Semana Santa mit ihren goldenen Lexus Karossen vorgefahren kommen, um hier die Sau rauszulassen und danach eine kilometerlange Müllhalde hinterlassen.
Letzte Woche war Ich in Santo Domingo. Am Malecon - das ist die prachtvolle Uferstraße hier - entsteht neben dem berühmten Restaurant Vesuvio ein Riesenkomplex aus Luxuskaufhäusern und Appartements mit Blick auf das karibische Meer. Dreißig Stockwerke hoch! Die kosten eine Million Dollars das Stück und es gibt hier genug Interessenten dafür!
Das einzige Problem dieses Landes ist der Peso. Er ist eine exotische Währung, das heißt: er wird nur hier gehandelt. Die Folge ist logisch: Jeder, der mehr als zwanzig Pesos hat, verladet seine Scheinchen nach Miami, Puerto Rico oder in die Schweiz. Laut dem Schatzamt der Vereinigten Staaten liegen auf dominikanischen Konten alleine in Florida mehr als fünf Milliarden (!) Dollars.
Mit den Zinsen dieses Betrages baue ich hier jeden Tag eine Schule und jede Woche ein Spital! Wenn das Geld, das hier gemacht wird - ich rede bewusst nicht von verdienen, denn das hätte ja etwas ethisches - im Lande bleiben würde und hier arbeiten könnte, hätten wir hier null Probleme!
Doch seit Kolumbus´ Zeiten wird diese Insel nur geplündert! Warum zahlen denn die Banken hier so hohe Guthabenzinsen? Damit wenigstens etwas im Lande bleibt! Doch im Vergleich zu anderen sind wir ja hier noch reich! Nebenan in Haiti geht es schon ganz anders zu. Hier verkauft die eigene Mutter ihre zwölfjährige Tochter für eine Stange Mars! Wenn sie einer Frau eine Dose Camppell Suppe in die Hand drücken, würde diese das mit Sicherheit nicht essen, sondern verkaufen!
Es kommt nie an!
In Europa gibt es die Kleidersammlung vom Roten Kreuz. Das meiste davon wird an Papierfabriken verkauft. Nur die wirklich guten Sachen kommen in die Container. Wochen später kommen sie in Port au Prince an. Ein Haitianer, dessen Villa mit Pools in mehreren Ebenen verziert ist und an dessen Händen es von Diamanten nur so glitzert, kauft die Container, verladet den Inhalt an die dominikanische Grenze und verkauft sie dann mit Gewinn an dominikanische Händler.
Die fahren dann mit ihren Pick ups durch die Dörfer und dann kann ich um
sechzig bis achtzig Pesos meine Jeans wieder kaufen, die ich vor einem halben Jahr dem Roten Kreuz geschenkt habe. Und wenn das mit den Kleidern schon nicht funktioniert, wie wird das dann erst mit dem Geld sein?
Es kommt nie an!
Szenenwechsel! Nigeria, vor ein paar Jahren. Im Hafen von Lagos liegt ein
Schiff aus Amerika. Es hat Reis gebracht für die Ärmsten im Lande. Die Kräne verladen die Säcke in Militär Lkws und dann geht alles in die Kasernen - Tore zu und Wachmann davor. Ein paar Säcke platzen auf. Eine feine Spur von Reiskörnern bildet sich auf der Mole. Hunderte Hände versuchen zuzulangen, wenigstens die berühmte Handvoll zu erhaschen. Die Soldaten nimmt die Menge unter Feuer. Sollen doch besser die Hühner oder die Ratten darüber herfallen!
In einem anderen Land - ebenfalls in Afrika - finanziert die Weltbank ein
Riesenprojekt. Mercedes Benz liefert zwanzig große Lkws, mit denen man Erde wegfahren kann. Die schwarzen Lendenschurz-Träger freuen sich wie die Kinder.
Die Maschinen werden gestartet und im Konvoi geht es übers Land - mit
Höchstgeschwindigkeit natürlich! Hinten drauf stehen etwa sechzig ausgelassene Menschen. Der Fahrer probiert die Knöpfe aus. Er betätigt den Falschen: Hinten geht die Mulde hoch und die Ladung Menschen rutscht auf den harten Boden hinunter.
Die nachfolgenden Fahrzeuge überrollen sie. Man lässt sie einfach liegen und fährt weiter. Wenn es hier etwas im Überfluß gibt, dann sind es Menschen!
In der Kuh Bar traf ich einst einen bekannten Kriegsberichterstatter. Der
meinte: „Achtzig Prozent meiner Photos werden nie veröffentlicht. Die Menschen daheim wollen gar nicht wissen, was los ist auf der Welt. Die wollen fernsehen!“
Nochmals Haiti. Es gibt dort Hotels, da wird ein Buffet serviert, wie man
es nicht einmal im fünf Sterne Bavaro in Punta Cana kennt. Die Reste darf
sich das Personal aber nicht aufteilen oder gar mitnehmen. Es wird unter
Aufsicht an die Tiere verfüttert!
Es kommt nie an!
1988, El Catey, dort, wo sie jetzt den internationalen Großflughafen bauen.
Eine Frau sitzt mit ihren beiden Söhnen - 6 und 8 Jahre alt - am Tisch. Sie
essen. Anschließend begibt sie sich zum Fluß, um die Wäsche zu waschen. Als sie zurückkommt, sind die Kinder verschwunden. Statt dessen liegt ein Bündel Geld auf dem Tisch. Es sind fünfzigtausend Pesos! Die Leute vom Dorf mussten die Frau gewaltsam daran hindern, sich selbst umzubringen.
Diese Spende kam auch nicht an!
Nochmals Dom Rep Magazin. 22. August. Colgate Palmolive sponsert
vierzigtausend Gallonen Ajax Cloro. Bravo! Ich hoffe doch, dass wenigstens ihre Jahresbilanz auf chlorfreiem Papier gedruckt wird!
Vorige Tage hier in Las Terrenas passiert. Zwei Schuhputzbuben bei der
Arbeit. Einer hatte eine Holzkiste für sein Handwerkszeug, der andere noch nicht.
Der griff mit bloßen Händen in die schwarze Creme und machte die
Schmutzarbeit. Sein Kollege mit der Kiste gab ihm nichts vom Geld ab. Dieser Knabe lernt, was Leben bedeutet. Sein gleichaltriger Bruder in Europa weiß davon nichts. Der schießt am Computer fremde Galaxien zusammen und sollten sie sich einmal begegnen - zum Beispiel als Tourist getarnt - dann weiß der eine nicht wovon der andere redet, selbst dann nicht, wenn sie die gleiche Sprache sprechen!
Nehmt also Euer Geld und löst damit die Probleme in Euren Ländern! Diese Spenden sollen den Armen auch gar nicht wirklich helfen. Sie dienen nur zur Beruhigung Eures schlechten Gewissens!
Pedro.
Verfasser: Pedro de Las Terrenas